FDn 50-1.4

Vorwort: Wer sich mit analoger Fotografie beschäftigen möchte, kommt nicht um das eigene Eintesten seiner Materialien herum. Wozu das gut ist und wie das geht, habe ich hoffentlich auch für Anfänger gut verständlich auf einer eigenen Seite zusammengefasst, siehe → Densitometrisches Eintesten von SW-Filmen. Ein dafür entwickeltes Auswerteprogramm kann dort heruntergeladen werden (für MS-Excel oder OpenOffice).


Unter den wenigen Schwarzweiß-Knipsern, die es heute noch gibt, werden Tipps, welcher Film mit welchem Entwickler die optimale Kombination ergibt, hoch gehandelt. Film und Chemie, die ich verwende, sind auf jeden Fall optimal - für meine Zwecke. Nachahmern kann ich nur empfehlen, selbst herumzuprobieren, und nicht nur zu kopieren, was andere für gut halten. Was man insbesondere nicht glauben darf, sind die auf die Filmschachteln aufgedruckten Empfehlungen der Hersteller. Deren Angaben entsprechen nur selten dem, was ich für optimal halte.

Daher mein allgemeiner Tipp für Negativfilme:
Für den Anfang gegenüber der Herstellerangabe um 1 Blendenstufe überbelichten, bzw. ISO-Zahl halbieren und sich mit den nächsten Filmen dann von unten ans Optimum herantasten! Damit geht's immer, und das gilt auch für Farbfilme. Eine solche Überbelichtung schadet einem Negativfilm bei normalen Motiven so gut wie überhaupt nicht, aber bei Unterbelichtung wären die Schattendetails unwiederbringlich verloren. Wenn durch Befolgen dieses Tipps der erste Film etwas überbelichtet ist, ist das natürlich auch nicht optimal, den Nachteil eines dann minimal gröberen Korns kann man aber schon einmal hinnehmen.
Nur mit wenigen Entwicklern (wie z.B. Microphen, A49, manchmal auch Xtol) erreicht man problemlos die Nennempfindlichkeit. Ganz übel sind die Herstellerübertreibungen bei den höchstempfindlichen Filmen (mit Schachtelaufdruck 1600 oder 3200), die maximal bis zur angegebenen Empfindlichkeit gepusht werden können. So steht das auch in den Hersteller-Datenblättern, wenn man genau nachliest. Ungepusht, d.h. entwickelt auf üblichen Kontrast, haben die auch nur etwa ISO-800, und das wird mit zunehmender Überlagerung auch schnell noch weniger. In diesem Zusammenhang empfehle ich das Lesen (und Verstehen!) meiner Anmerkungen zum →Pushen von SW-Filmen.

Noch ein wichtiger Hinweis: Bei →Belichtungsmessung mit unterschiedlichen Geräten können die Anzeigewerte stark schwanken. Daher ist es wichtig, einen vertrauenswürdigen Belichtungsmesser als Referenz für Tageslichtmessungen zu definieren. Bei Kunstlicht müssen wegen unterschiedlicher spektraler Empfindlichkeiten die Anzeigewerte möglicherweise wieder anders korrigiert werden. Daher ist es generell fragwürdig, eine bewährte Filmempfindlichkeitseinstellung als absolut richtige Empfehlung aufzufassen. Es gibt einfach zu viele Einflüsse durch unterschiedlichste Fotoausrüstungen und Filmmaterialien.

So, jetzt zu meinen Favoriten, wobei ich um heftig beworbene Spezialfilme und Wunderentwickler mittlerweile einen großen Bogen mache. Die unten genannten Filmempfindlichkeiten gelten einheitlich für ein mittleres Gamma=0,65 und für eine Dichte von log(D)=0,2 bei einer Unterbelichtung um drei Blendenstufen (für Kenner des Zonensystems ist das Zone II). Wenn meine Empfindlichkeitsempfehlung vom Schachtelaufdruck abweicht, geschieht das nicht durch Pushen oder Pullen, sondern das ist dann die echte Empfindlichkeit eben dieser Film-Entwickler-Kombination. In folgender Aufzählung konstant gehalten wurde die Verdünnung (immer 1+1) und der Ilford-Kipprhythmus (erste Minute ständig, dann 10s nach jeder vollen Minute, jeweils abgeschlossen mit einem Cognac-Schwenk zur Lösung von Luftblasen).

Meine Allzweckfilme im 100-ISO-Bereich:

Höher empfindliche Filme für Innenaufnahmen, Sportaufnahmen mit Tele oder generell für die dunkle Jahreszeit, auch gerne für Mittelformat, wo man wegen der lichtschwächeren Objektive schneller an die Verwacklungsgrenze kommt:

Die Abzüge mache ich auf Ilford Multigrade IV oder Adox MCP, manchmal auch auf Multigrade-Warmton für leicht warme Töne. Hochglanzpapier habe ich eher selten, auch wenn das den sichtbar besten Tonwertreichtum bietet. Da ich die Abzüge auch in die Hand nehme und bei Besuchern herumreiche, hätte ich da zwangsweise sehr unschöne Fingerabdrücke drauf. Daher gibt es bei mir überwiegend halbmatt bzw. pearl als Oberfläche. Mein Standardformat ist 18x24cm, zum Aufhängen bevorzuge ich das Format 30x40cm.