FDn 50-1.4
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Canon EOS-Kameras mit EF-Objektivanschluss:

Nach noch etwas unglücklichen Autofokus-Versuchen mit der T-80 wurde dieses vollständig neue Kamerasystem 1987 mit der EOS 650 eingeführt. Im Gegensatz zu den alten FD-Objektiven gibt es keine mechanische Signal­über­tragung mehr, sogar der Blenden­einstell­ring ist weggefallen, ebenso wie der Schwinghebel für Verschluss­aufzug und Filmtransport. Alle Signale (Autofokus und elektro­magnetische Blende) werden elektrisch über einen bidirektionalen seriellen Datenbus übertragen. Das bedeutet unter anderem: Ohne dicke Batterie geht gar nichts mehr. Diese braucht man jetzt nicht nur wie bei den alten Kameras zur Belichtungsmessung, sondern auch für Film­transport, Auto­fokus­motor, Blenden­steuerung und eventuell noch IS-Bild­stabilisator oder integriertes Blitzlicht. Die Spezial-Fotobatterien (CR2, CR123A oder 2CR5) gibt es nur in Fachgeschäften. Für Viel­fotografierer ist daher ein zusätzlicher Batterie­handgriff ein sinnvolles Zubehör. Diesen kann man dann mit überall erhältlichen AA-Batterien oder -Akkus bestücken. Leider wird die Kamera damit deutlich schwerer, und ich nehme solche Boliden wie EOS-1V mit Batterie­handgriff nur ungern mit in den Urlaub.

Bei den EOS-Kameras gibt es die vom Marketing angestrebte Einteilung in die Zielgruppen
• „Professional“ mit einstelliger Nummer,
• „Enthusiast“ oder „Prosumer“ mit zweistelliger Nummer,
• „Amateur“ mit dreistelliger Nummer und
• „Beginner“ mit vierstelliger Nummer.
Mit der Bildqualität hat diese Einteilung gar nichts zu tun, weil hier das Objektiv entscheidet. Gute Fotos kann man mit allen diesen Kameras machen. Die Einteilung hat neben der Robust­heit vor allem einen Einfluss auf die Haptik, wenn man die Kamera in die Hand nimmt. Je weniger Ziffern die EOS-Nummer hat, um so heller und kontrast­reicher ist das Sucher­bild, um so mehr Informationen werden dort angezeigt, und um so schneller reagiert der Autofocus. Je mehr Ziffern die EOS-Nummer hat, um so kleiner, leichter und billiger wird das Gehäuse, was auch nicht zu verachten ist. Bei den neueren 3- und 4-stelligen Nummern hat Canon das schwere Pentaprisma durch eine leichte Spiegel­konstruktion ersetzt und evtl. nur noch ein Plastik-Bajonett verbaut. Für die jeweilige Ziel­gruppe bedeutet das aber keine ernst­hafte Ein­schränkung.

Die EF-Objektive sind voll kompatibel zu allen Canon-DSLRs. Daher ist der Ansturm auf gutes Glas gewaltig, die Preise leider ebenso, und die sonst so beliebten Internet-Auktionen sind oft uninteressant. Die immer schon billigen Standard-Zooms 28-80mm (=„Flaschen­böden“) der frühen Kit-Angebote aus Kamera+Objektiv will dagegen heute keiner mehr haben. Da ambitionierte Neu-Einsteiger wohl eher auf die spiegel­losen Vollformat-Canons mit RF-Objektiv­anschluss setzen werden, ist zu hoffen, dass die EF-Gebraucht­preise lang­fristig eher sinken werden.

Achtung: Wegen des kürzeren Auflage­maßes von 42mm (= Abstand von Film­ebene bis Bajonett) ist es nicht sinnvoll, die alten FD-Objektive an das aktuelle EF-Bajonett zu adaptieren. FD an einer spiegel­losen RF-Kamera ist dagegen problemlos, wenn die optische Qualität passt und man auf Komfort verzichten kann. Für EF→RF oder EF-S→RF gibt es original Canon-Adapter, die alle Funktionen unterstützen.

Zur Info hier die aktuellen Canon-Auflagemaße:
EF und EF-S 44mm, EF-M 18mm, RF 20mm
Seit 2018 hat Canon im rück­läufigen und daher heiß umkämpften Markt der System­kameras also 4(!) verschiedene Objektiv­serien, die gepflegt und erweitert werden wollen. Man kann fast schon vorher­sagen, was passieren wird.

Meine anfängliche Begeisterung über die EOS-Voll­automatik hat schon wieder etwas nach­gelassen. Okay - der Autofokus funktioniert meistens und ist toll z.B. bei Sport­auf­nahmen von den Kids. Die Präzision erreicht allerdings nicht immer die Qualität einer sorg­fältigen manuellen Scharf­stellung, und der Autofokus ist auch nicht immer schneller. Die zweifellos hohe Schärfe­leistung guter moderner Objektiv­konstruktionen ist daher leider nur bedingt nutzbar. Für präzise manuelle Scharf­stellung fehlt eine geeignete Sucher­matt­scheibe. Ganz interessant in diesem Zusammen­hang ist, dass Nikon Ende 2019 ein neues 0,95/58mm Objektiv für rund 9000€ ohne Autofocus auf den Markt gebracht hat!

Dazu folgende Wechselobjektive und Zubehör:

Fazit meiner Erfahrungen mit EF-Objektiven: Die alte Regel, dass Festbrenn­weiten grund­sätzlich besser als Zooms sind, gilt schon lange nicht mehr! Lediglich bei den billigen Kit-Zooms und den Super-Zooms mit extremen Brenn­weiten­verhältnissen jenseits von ca. 3 ist mit Einbußen bei der Bild­qualität zu rechnen. Mein Tamron 28‑75 (etwas abgeblendet) oder Canon 70‑200 brauchen dagegen einen Vergleich mit Fest­brenn­weiten nicht zu scheuen. Halbwegs okay scheinen auch noch das EF 24‑85/3.5‑4.5 USM oder das 28‑105/3.5‑4.5 USM II zu sein, wenn man nicht allzu viel Geld für die edle L-Baureihe ausgeben möchte (allgemeine Einschätzung ohne eigene Erfahrung). Nach meiner Meinung sind Festbrennweiten nur noch für Spezial­zwecke unver­zichtbar, wie z.B. Macro, Tilt/Shift oder lichtstarke Objektive. Dann wird’s aber meistens richtig teuer, da die Produktions-Stückzahlen für solche Anwendungen eher gering sind. Andererseits: Gute Zooms sind immer groß und schwer. Da haben Festbrenn­weiten ganz klar ihren Vorteil. Ich mag die Fest­brenn­weiten auch noch deswegen, weil das Festlegen des Bildausschnitts durch Hin- und Her- und Vor- und Zurückgehen erfolgt (auch Turnschuh-Zoom genannt). Das führt zumindest bei mir zu einem weniger hastigen Knipsen und zu einer geringeren Aus­schuss­quote.

Noch eine Warnung zum Schluss: Meine Einschätzung der Objektiv­qualität beruht auf meinen Erfahrungen mit Film oder mit meiner 8MP-DSLR. Wenn man die oben gegenannten Linsen an eine aktuelle Canon mit 33MP APS-C Sensor ansetzt, wird man in der 100%-Ansicht enttäuscht sein. Mit dieser Sensor­auflösung sind die Hersteller über das Auflösungs­vermögen der Mehrzahl ihrer Objektive hinaus­geschossen. Erst recht gilt das für künftige Kameras mit wahrscheinlich noch mehr Pixeln. Objektive, die da mithalten können, sind rar, seeehr teuer und stoßen sicher auch an unüber­windbare physikalische Grenzen. Die vielen Megapixel brauchen sie halt für’s Marketing, für die Bildqualität offen­sichtlich nicht.

Jetzt mal ehrlich: Für einen normal betrachteten Kunst­druck braucht man eine Druck­auflösung von 150 dpi, bei 33MP entspricht das einer Print­breite von 46" oder etwa 1,2 Meter (wohlgemerkt: auch aus der Nähe betrachtet noch scharf)! Das menschliche Auge hat in diesem Entfernungs­bereich eine Auflösungs­grenze von 2 Winkel­minuten. Wenn man als eher nahen Betrachtungs­abstand eines Bildes die Bild­diagonale nimmt, sind das entlang dieser Diagonale 1500 Punkte. Mehr geht nicht. Diesen Wert hat schon im Jahr 2000 meine aller­erste Digi­knipse mit 3,3 MP locker über­troffen. Die EOS 90D hat hier mehr als 8000 Pixel zu bieten! Wer braucht denn so was? Eigentlich nur Profis für Werbe- und Industrie­fotografie, die damit Plakat­wände füllen müssen! Die 1500 Punkte auf der Diagonalen entsprechen bei KB-Film einer notwendigen Auflösung von etwa 40 LP/mm. Das schafft jedes meiner Objektive, auch die aus der Kategorie „Flaschen­boden“. Damit man noch etwas Reserve für Bild­zuschnitte, Ausschnitt­vergrößerung oder Schärfeverluste beim Positivprozess hat, verdoppelt wir jetzt die Wunschauflösung auf 80 LP/mm. Das schafft man mit konventionellem Klein­bild­film (wie z.B. FP4+) und den meisten Objektiven gerade noch. Also ist (aus meiner Sicht) alles gut! →Mittelformat hat hier natürlich mehr „Fineprint“-Reserven.