FDn 50-1.4

Mit Fotografie beschäftige ich mich schon seit meiner Jugendzeit. Mit dem Geld aus einem Schüler-Ferienjob habe ich mir mit 16 als erste Spiegelreflexkamera eine Pentax Spotmatik geleistet. Der Einstieg in die Selbstverarbeitung von Schwarzweißbildern kam dann prompt einen Ferienjob später.

Nach etlichen Jahren Fotoabstinenz und einem kurzen Ausflug in die Digitalknipserei bin ich seit 2004 wieder reumütig zu meinem Laborhobby zurückgekehrt. Die Randbedingungen haben sich durch den Boom der Digitalfotografie natürlich geändert. Einige Firmen haben ihren analogen Geschäftsbereich aufgegeben (z.B. Durst), dafür haben andere den Wandel scheinbar unbeschadet überstanden (z.B. Ilford). Eventuell entstandene Marktlücken konnten bisher durch kleine flexible Anbieter (z.B. Adox/Fotoimpex) wieder geschlossen werden. Analoge Schwarzweißfotografie hat sich als Nischenmarkt etabliert, der seit einigen Jahren wieder kontinuierlich wächst. In der c't Fotografie-Zeitschrift 1/2018 haben Sie diesem Analog-Trend sogar ein Titelthema gewidmet. Die Berliner Zeitung toppt das noch mit der Schlagzeile „Digital ist für alte Leute”!

Der Filmmarkt scheint mit jährlichen Steigerungsraten von 15-20% mittlerweile wieder so ergiebig zu sein, dass noch Platz für neue Filme ist, wie z.B. seit 2017 der Panchro400 von Bergger (nicht nur ein umgelabelter altbekannter Film, sondern eine wirklich neue Emulsion, hergestellt bei Inoviscoat in Deutschland). Bereits totgesagtes Material wird in altbewährter Qualität wieder neu aufgelegt, wie von Adox die Multicontrast-Papiere oder die Kodak-Filme TMax P3200 und Ektachrome 100, letzterer sogar für Super-8! Und dann gibt es noch Gerüchte, dass es irgendwann eine Neuauflage von Ferrania-Filmen aus Italien geben soll.

Auf dem Markt der Digital-Knipsen ist dagegen festzustellen, dass sich die Bildqualität seit dem Höhepunkt 2006 (Fuji FinePix F30 oder F31fd) nicht verbessert hat, bis diese Kameragattung dank Smartphone in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Der Funktionsüberfluss hat mittlerweile leider auch die Spiegelreflexkameras erfasst. Die Anleitung zur Canon EOS 80D, einer typischen modernen DSLR, hat ca. 800(!) Seiten, dazu weitere 270 Seiten für die mitgelieferte PC-Software. Weil das kaum jemand liest, werden viele hochwertige Kameras nur mit Vollautomatik genutzt und dienen eher als Statussymbol. Zum Fotografieren braucht man nur Einstellungen für Entfernung, Zeit und Blende sowie einen Auslöser. Die wenigsten Hobbyfotografen brauchen dagegen mehr als 6 MegaPixel und schon erst recht keine 25000 ISO oder 24 Motivprogramme mit Gesichtserkennung und Lächelautomatik!

Nein, ich bin kein Analog-Fundamentalist! Natürlich ist es eine unbestrittene Tatsache, dass der Vorsprung der Digitaltechnik von Jahr zu Jahr größer wird. Mittlerweile gibt es für zahlungskräftige Kundschaft auch reichlich Auswahl an Vollformat und an digitalem Mittelformat. Das ist für mich alles kein Problem: Die Fotografie auf Film und die Ausarbeitung im Labor sind einfach Gegenpole zu meinem vom Computer geprägten Beruf. Daher habe ich etwas Zeit und wenig Geld investiert, meine Prozesse ordentlich kalibriert (siehe → Filme eintesten, → Papier eintesten), und es macht jetzt mehr Spaß als je zuvor!

Jeder weiß: Gute Fotos macht der Fotograf und nicht die Kamera. (Restaurantbesucher zum Koch: Es hat vorzüglich geschmeckt! Welche Kochtöpfe haben Sie benutzt?) Aber trotzdem interessieren sich viele für technische Daten, was ich an den Zugriffszahlen auf diese Seiten erkenne. Im Lauf der Jahre hat sich bei mir eine stattliche Anzahl guter Kameras und auch Schrott angesammelt, den ich hier einmal aufgelistet und bewertet habe. (Die Links dazu sind links.) Die eine oder andere Kamera hat mich einfach interessiert und ich wollte sie mal ausprobieren. Die meisten Kameras werden mehr oder weniger regelmäßig benutzt. Ich habe keine Vitrine, in der ich sie nur anschaue und gelegentlich abstaube. Seit langem unbenutzte Exemplare taugen ohnehin nichts und ich könnte sie nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Dagegen steigen gute Teile rapide im Wert. Ein extremes Beispiel: Die superkompakte Olympus µ-II war vor 15 Jahren noch für 130 € im Handel erhältlich, noch neuwertige Exemplare gehen Ende 2018 für über 300 € weg. Oder mein EOS 1v Gehäuse, für das ich 2010 in Bestzustand 350 € bezahlt habe. Dafür werden jetzt (Ende 2018) locker 600-700 aufgerufen. Das sind Kapitalanlagen!

Als Professor ist es unter anderem mein Job, komplizierte Sachverhalte zu erklären und jungen Leuten etwas beizubringen. Das kann ich natürlich auch bei meinem Hobby nicht bleiben lassen. Nicht dass das Fotolabor etwas fürchterlich Kompliziertes wäre! Aber in der heutigen digital verseuchten Welt trifft man nicht so leicht auf Gleichgesinnte, die man eben schnell mal etwas fragen könnte. Daher habe ich versucht, die wichtigsten und immer wieder von Anfängern und Wiedereinsteigern gestellten Fragen zusammenzustellen und auch gleich zu beantworten, siehe → Schwarzweiß-FAQ (Frequently Asked Questions).